Umsatzsteuer – Neue Leistungsortregeln und USt-One-Stop-Shop (MOSS) ab 1. Jänner 2015

ACHTUNG Dieses "Thema des Monats" Dezember 2014 entspricht den Regelungen zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung und wird nicht laufend aktualisiert.

Neue Leistungsortregeln

Ab 1. Jänner 2015 gelten unionsweit neue Leistungsortregeln für elektronisch erbrachte sonstige Leistungen, Telekommunikations-, Rundfunk- und Fernsehdienstleistungen an Nichtunternehmerinnen/Nichtunternehmer in der EU.

Ab 1. Jänner 2015 sind elektronisch erbrachte sonstige Leistungen, Telekommunikations-, Rundfunk- und Fernsehdienstleistungen an Nichtunternehmerinnen/Nichtunternehmer in der EU am Ansässigkeitsort der Leistungsempfängerin/des Leistungsempfängers (Empfängerort) steuerbar.

Bisher war diese Leistungsortbestimmung nur für Leistungen an Unternehmerinnen/Unternehmer vorgesehen. Künftig sind die genannten Leistungen grundsätzlich immer am Empfängerort steuerbar, unabhängig davon, ob es sich um Leistungen an Unternehmerinnen/Unternehmer (B2B) oder Nichtunternehmerinnen/Nichtunternehmer (B2C) handelt.

Unternehmen, die von der Neuregelung betroffene Dienstleistungen erbringen, müssen künftig bei jeder einzelnen Leistung ermitteln, wo ihre Kundin/ihr Kunde ansässig ist. Um den Aufwand, der mit der Bestimmung des Empfängerorts verbunden ist, zu verringern, gibt es EU-weit standardisierte Vereinfachungsregeln.

Vermutungen hinsichtlich des Empfängerorts

Können elektronisch erbrachte sonstige Leistungen, Telekommunikations-, Rundfunk- und Fernsehdienstleistungen nur an einem bestimmten Ort empfangen werden und erfordert der Empfang der Leistung die physische Anwesenheit der Leistungsempfängerin/des Leistungsempfängers (z.B. bei Telefonzellen oder WLAN-Hot-Spots, Internetcafés etc.), gilt die Vermutung, dass die Leistungsempfängerin/der Leistungsempfänger an diesem Ort ansässig ist. Die Leistung ist also an diesem Ort (z.B. Standort der Telefonzelle) steuerpflichtig.

Werden die Leistungen über einen Festnetzanschluss erbracht, wird vermutet, dass der Empfängerort am Ort des Festnetzanschlusses liegt. Bei Leistungserbringung über mobile Netzwerke ist der Ländercode der SIM-Karte maßgeblich.

Benötigt der Empfang der Leistung einen Decoder, eine Programm- oder Satellitenkarte (z.B. bei Rundfunkleistungen), gilt die Vermutung, dass der Empfängerort dort ist, wo sich dieses Gerät bzw. diese Karte befindet. Ist dieser Ort nicht bekannt, wird vermutet, dass sich der Leistungsort an der Adresse befindet, an die die Programm- oder Satellitenkarte versendet wurde.

In allen anderen Fällen kann der Empfängerort anhand zweier einander nicht widersprechender Beweismittel festgestellt werden. Als Beweismittel gelten u.a. Rechnungsanschrift, IP-Adresse und Bankangaben.

EU-Umsatzsteuer-One-Stop-Shop (MOSS)

Die Änderung des Leistungsorts hätte nun grundsätzlich zur Folge, dass sich eine Unternehmerin/ein Unternehmer, die/der elektronisch erbrachte sonstige Leistungen, Telekommunikations-, Rundfunk- oder Fernsehdienstleistungen an Nichtunternehmerinnen/Nichtunternehmer in der EU erbringt, in jedem EU-Mitgliedstaat, in dem sie/er derartige Leistungen erbringt, für umsatzsteuerliche Zwecke registrieren lassen müsste. In der Folge müsste sie/er in jedem dieser EU-Mitgliedstaaten Steuererklärungen einreichen und die resultierende Umsatzsteuer bezahlen.

Um dies zu vermeiden wird mit 1. Jänner 2015 ein Mini-One-Stop-Shop (MOSS) eingerichtet, der die Möglichkeit bietet, sich in einem EU-Mitgliedstaat (Mitgliedstaat der Identifizierung = MSI) zu registrieren und sämtliche unter die Sonderregelung fallenden Umsätze über den MSI zu erklären und die resultierende Umsatzsteuer zu bezahlen.

Der MOSS ist optional und muss rechtzeitig beantragt werden. Wird die Option ausgeübt, gilt sie für alle unter die Sonderregelung fallenden Umsätze. Je nachdem, ob die Unternehmerin/der Unternehmer in der EU niedergelassen ist oder nicht, steht ihr/ihm für den MOSS das EU-Schema oder das Nicht-EU-Schema zur Verfügung.

Die Antragstellung für eine Registrierung zum "MOSS (EU-Schema)" erfolgt elektronisch über FinanzOnline. Die Antragstellung für eine Registrierung zum "MOSS (Nicht-EU-Schema)" erfolgt elektronisch über das beim Bundesministerium für Finanzen dafür eingerichtete Portal.

Möchte eine Unternehmerin/ein Unternehmer den MOSS nutzen und liegen die Voraussetzungen zur Inanspruchnahme vor, ist der MOSS ab dem Kalendervierteljahr anzuwenden, das auf die Antragstellung folgt. Um den MOSS ab 1. Jänner 2015 zu nutzen, muss die Registrierung bis spätestens 31. Dezember 2014 beantragt werden.

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Rechtsgrundlagen

HINWEIS Eine Übersicht über bisherige "Themen des Monats" findet sich auf USP.gv.at.

Stand: 01.12.2014

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