Neue Selbstständige

Allgemeines

Als Neue Selbstständige werden solche Personen bezeichnet, die aufgrund einer betrieblichen Tätigkeit steuerrechtlich Einkünfte aus selbstständiger Arbeit (§ 22 Z 1 bis 3 und 5 sowie § 23 Einkommensteuergesetz 1988 – EStG 1988) erzielen und die für diese Tätigkeiten keine Gewerbeberechtigung benötigen (z.B. Autorinnen/Autoren, Vortragende, Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten).

Ihre betriebliche Tätigkeit üben Neue Selbstständige im Rahmen eines Werkvertrages aus.

Ein Werkvertrag liegt laut Allgemeinem Bürgerlichen Gesetzbuch (ABGB) dann vor, wenn jemand die Herstellung eines Werkes gegen Entgelt übernimmt. Im Gegensatz zum Arbeits- bzw. Dienstvertrag ist beim Werkvertrag das Ergebnis der Dienstleistung entscheidend. Geschuldet wird das Werk (eine konkrete Leistung) oder ein bestimmter Erfolg.

HINWEIS Auch Gesellschaften können als Neue Selbstständige Werkverträge mit Auftraggeberinnen/Auftraggebern abschließen.

Die Merkmale der Neuen Selbstständigkeit decken sich im Wesentlichen mit jenen von Werkvertragsnehmerinnen/Werkvertragsnehmern mit Gewerbeberechtigung. Dies sind:

  • Persönliche und wirtschaftliche Unabhängigkeit von der Auftraggeberin/dem Auftraggeber
  • Die Tätigkeit muss in der Regel nicht persönlich ausgeübt werden (Vertretungsrecht durch Dritte)
  • Die Werkvertragsnehmerin/der Werkvertragsnehmer ist nicht weisungsgebunden
  • Die Auftragnehmerin/der Auftragnehmer verfügt über eine unternehmerische Struktur (Büro, Betriebsmittel etc.)

Der Werkvertrag zählt zu den Zielschuldverhältnissen, die mit der Erbringung des Werkes erfüllt sind. Das heißt, dass die Fertigstellung des vereinbarten Werkes oder der Eintritt des Erfolges die automatische Beendigung des Schuldverhältnisses bedeutet.

Seit 1. Jänner 2008 sind Neue Selbstständige in das Selbstständigenvorsorgemodell – analog der "Abfertigung neu" für Arbeitnehmerinnen/Arbeitnehmer – integriert. Nähere Informationen finden Sie im Kapitel "Selbstständigenvorsorge für Gewerbetreibende und Neue Selbstständige".

Der "Online Ratgeber 1. Mitarbeiter" gibt konkrete und individualisierte Antworten auf Fragen bei der Aufnahme der ersten zusätzlichen Beschäftigen/des ersten zusätzlichen Beschäftigten.

Sozialversicherung

Neue Selbstständige haben ihre Tätigkeit selbst bei der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) zu melden, wenn

  • ihr jährliches Bruttoeinkommen den Betrag von 6.453,36 Euro übersteigt oder
  • daneben noch eine andere Erwerbstätigkeit ausgeübt wird und das Jahresbruttoeinkommen den Betrag von 4.743,72 Euro für das Jahr 2014 (4.641,60 Euro für das Jahr 2013) übersteigt.

HINWEIS Bei Bezug einer Pension, eines Ruhe- oder Versorgungsgenusses, von Kranken- und Wochengeld, Karenzgeld, Kinderbetreuungsgeld, Sonderunterstützung oder einer Geldleistung aus der Arbeitslosenversicherung gilt die niedrigere Versicherungsgrenze.

Frist: Innerhalb eines Monats nach Aufnahme der Tätigkeit

ACHTUNG Wer der Pflicht zur Versicherungsmeldung nicht nachkommt und rückwirkend in die Pflichtversicherung (nach Vorliegen des Steuerbescheides) einbezogen wird, wird nachträglich – zusätzlich zur Vorschreibung der Versicherungsbeiträge – mit einem Zuschlag von 9,3 Prozent belastet.

Neue Selbstständige sind kranken-, pensions- und unfallversichert.

Informationen zur Pflichtversicherung finden Sie auf den Seiten der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft. Dort finden Sie auch Details zu den Versicherungsbeiträgen sowie einen Beitragsrechner zur Berechnung der Beiträge aus Ihrer Pflichtversicherung. Damit soll Ihnen die Einschätzung Ihrer Zahlungsverpflichtung erleichtert werden. Außerdem stellt Ihnen die Sozialversicherungsanstalt verschiedene Broschüren zum Download zur Verfügung.

Einbeziehung in die Arbeitslosenversicherung

Mit 1. Jänner 2009 können Selbstständige, die aufgrund ihrer Erwerbstätigkeit der Pflichtversicherung in der Pensionsversicherung nach dem Gewerblichen Sozialversicherungsgesetz (GSVG) unterliegen oder gemäß § 5 GSVG von dieser Pflichtversicherung ausgenommen sind, auf freiwilliger Basis in die Arbeitslosenversicherung einbezogen werden.

Frist: Personen, die ihre selbstständige Tätigkeit erst ab dem 1. Jänner 2009 oder später beginnen, können den Eintritt innerhalb von sechs Monaten ab Verständigung durch die Sozialversicherungsanstalt über den Beginn der Pflichtversicherung erklären. Wenn der Eintritt innerhalb von drei Monaten ab Verständigung erklärt wird, beginnt die Arbeitslosenversicherung gleichzeitig mit der Pensionsversicherung. Bei späterer Eintrittserklärung beginnt die Versicherung mit dem auf den Eintritt folgenden Monat.

Der Eintritt in die Arbeitslosenversicherung muss schriftlich erklärt werden.

Ausführliche Informationen zur Arbeitslosenversicherung für Selbstständige, insbesondere zu den Eintrittvoraussetzungen, Monatsbeiträgen und Leistungen der Arbeitslosenversicherung, erhalten Sie auf den Seiten der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft.

Steuerpflicht

Neue Selbstständige sind einkommensteuer-, jedoch nicht lohnsteuerpflichtig und müssen im Folgejahr eine Einkommensteuererklärung (Formular E1) beim Wohnsitzfinanzamt einreichen.

Frist:
  • In Papierform: bis 30. April des Folgejahres
  • Mit FinanzOnline: bis 30. Juni des Folgejahres

ACHTUNG Wird die Einkommensteuererklärung durch eine Steuerberaterin/einen Steuerberater bzw. eine Wirtschaftstreuhänderin/einen Wirtschaftstreuhänder vorgenommen, sind auch längere Fristen möglich.

Weitere Informationen zur steuerlichen Veranlagung bei Einkünften aufgrund eines Werkvertrages erhalten Sie auf den Seiten des Bundesministeriums für Finanzen.

Bei erstmaliger Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit ist beim zuständigen Finanzamt eine Steuernummer zu beantragen.

Stand: 01.01.2014

Abgenommen durch:
  • Bundesministerium für Finanzen
  • Bundesministerium für Gesundheit
  • Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz
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