Betriebliches Rechnungswesen

Aktuelle Informationen über betriebliches Rechnungswesen, Gewinnermittlung, Buchführungspflicht und Buchführungsgrenzen, Jahresabschluss, Aufbewahrungspflicht etc.

Information für Einsteiger

Zu Ihren Pflichten als Unternehmerin/Unternehmer gehört auch das Führen von Büchern und Aufzeichnungen. Dies führt uns zum Thema des betrieblichen Rechnungswesens. Ausgangsgrößen bilden u.a. der erzielte Umsatz und vor allem der Gewinn, welcher starken Schwankungen unterliegen kann. Die Unternehmerin/der Unternehmer ist selbst für die Ermittlung jener Daten verantwortlich, von denen das Finanzamt in weiterer Folge die Steuern bemisst. Daher muss sie/er sich für ein bestimmtes System des Rechnungswesens entscheiden.

Die Arten der Gewinnermittlung im Überblick

Da es in erster Linie auf den erzielten Gewinn ankommt, wird in der Praxis der Begriff der "Gewinnermittlungsarten" verwendet. Sie haben drei Möglichkeiten, Ihrem Finanzamt die Berechnungsgrundlagen für die Steuerbemessung zu liefern:

  • Die Buchhaltung bzw. Bilanzierung (Betriebsvermögensvergleich) nach § 5 oder nach § 4 Abs 1 Einkommensteuergesetz (EStG)
  • Die (vollständige) Einnahmen-Ausgaben-Rechnung (§ 4 Abs 3 EStG) oder
  • Die Pauschalierung (§ 17 EStG), die im Allgemeinen ebenfalls eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung (E/A-Rechnung) darstellt, wobei allerdings Betriebsausgaben teilweise oder ganz pauschal abgezogen werden können

Die einzelnen Gewinnermittlungsarten gelten für Einkünfte aus selbständiger Arbeit (§ 22 EStG) und aus Gewerbebetrieb (§ 23 EStG) grundsätzlich in folgenden Fällen:

Gewinnermittlung bei Einkünften aus selbständiger Arbeit und Gewerbebetrieb
Betriebsvermögensvergleich nach § 5 EStGWenn Einkünfte aus Gewerbebetrieb vorliegen und Rechnungslegungspflicht nach dem Unternehmensgesetzbuch (UGB) besteht oder (bei Wegfall der Rechnungslegungspflicht) die § 5-Ermittlung freiwillig fortgesetzt wird.
Betriebsvermögensvergleich nach § 4 Abs 1 EStGBei freiwilliger Buchführung oder wenn Rechnungslegungspflicht nach dem UGB besteht, aber keine Einkünfte aus Gewerbebetrieb vorliegen
Einnahmen/Ausgaben-Rechnung nach § 4 Abs 3 EStGOhne freiwillige Buchführung und ohne Rechnungslegungspflicht nach dem UGB (davon entbunden sind ohne Rücksicht auf den Umsatz alle freien Berufe)
Pauschalierung (§ 17 EStG)Für kleinere Betriebe mit Umsätzen bis 220.000 Euro generell zulässig, weiters bestehen branchenspezifische Pauschalierungen

Besonderheiten bestehen bei Land- und Forstwirtinnen/Land- und Forstwirten, die ab einem Einheitswert von 150.000 Euro oder einem Umsatz von 550.000 Euro buchführungspflichtig (nach § 4 Abs 1 EStG) sind. Für kleinere land- und forstwirtschaftliche Betriebe besteht eine besondere Pauschalierung.

Die Eintragung im Firmenbuch (Protokollierung) ist für die Frage der Gewinnermittlung unbeachtlich.

Nur bei der Gewinnermittlung nach § 5 EStG

  • müssen die Bilanzierungsvorschriften des UGB beachtet werden; insbesondere müssen drohende Risken (z.B. ernsthaft drohende Verbindlichkeiten oder Verluste, Wertminderungen von Betriebsvermögen) berücksichtigt werden; bei der Bilanzierung nach § 4 Abs 1 EStG besteht dazu keine Verpflichtung,
  • dürfen auch Wirtschaftsgüter, die nicht unmittelbar im Betrieb eingesetzt werden (z.B. Mietgebäude, nicht mit dem Unternehmensgegenstand zusammenhängende Beteiligungen), zur Kapitalstärkung als sogenanntes "gewillkürtes" Betriebsvermögen in die Bilanz aufgenommen werden,
  • waren auch Wertveränderungen von Grund und Boden im Rahmen des Gewerbebetriebes immer steuerlich relevant; bei anderen Gewinnermittlungsarten ist dies erst ab 1. April 2012 der Fall, doch gilt hier für Alt-Grund-Boden (bis 30. März 2002 angeschafft) eine günstige Pauschalierung,
  • kann ein vom 31. Dezember abweichender Bilanzstichtag gewählt werden (dies ist daneben auch den nach § 4 Abs 1 EStG buchführenden Land- und Forstwirtinnen/buchführenden Land- und Forstwirten erlaubt).

Rechtsgrundlagen

Stand: 01.01.2017

Abgenommen durch:
  • Bundesministerium für Finanzen

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