Gewinnermittlungsarten im Detail

Doppelte Buchführung

Der Ausdruck "Bücher führen" ist heutzutage nicht mehr wörtlich zu nehmen. Das Rechnungswesen wird ja in der Regel per PC abgewickelt und nur noch in einzelnen Fällen werden etwa Eintragungen in Karteikarten vorgenommen. Der Ausdruck "Buchführung" ist mit dem Begriff der "doppelten Buchhaltung" gleichzusetzen.

Die "doppelte Buchhaltung" hat folgende Kennzeichen:

  • Jeder Geschäftsfall wird im Grundbuch (Journal) und im Hauptbuch auf den Sachkonten erfasst und auf dem Konto einmal im Soll und einmal im Haben gebucht (sogenannte "Soll-Haben-Gleichheit")
  • zweifache Gewinnermittlung: erstens durch den Betriebsvermögensvergleich und zweitens im Rahmen der Gewinn- und Verlustrechnung

HINWEIS Im Grundbuch (Journal) werden die Geschäftsfälle in zeitlicher (chronologischer) Reihenfolge erfasst, im Hauptbuch hingegen nach inhaltsgleicher (systematischer) Ordnung. Zum Wesen der "doppelten Buchhaltung" gehört auch:

  • Die Führung von Hilfs- und Nebenbüchern (z.B. Kunden- und Lieferantenkartei, Kassabuch)
  • Die Erfassung und Bewertung von Beständen (Inventuraufnahme), Forderungen und Verbindlichkeiten sowie
  • Die periodengerechte Berücksichtigung von Aufwendungen und Erträgen, d.h. Ausgaben und Einnahmen werden in jenem Jahr wirksam, zu dem sie wirtschaftlich gehören

Der Gewinn (Verlust) wird zweifach ermittelt:

  • Durch den Betriebsvermögensvergleich (indirekte Erfolgsermittlung): das Reinvermögen (= Vermögen abzüglich Schulden) am Ende des Jahres wird mit dem Reinvermögen am Ende des vorangegangenen Jahres unter Berücksichtigung von Privateinlagen und Privatentnahmen verglichen
  • Durch die Gewinn- und Verlustrechnung (direkte Erfolgsermittlung), welche die Erträge und die Aufwendungen gegenüberstellt

Einnahmen-Ausgaben-Rechnung

Aufgrund der leichten Handhabung empfiehlt sich die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung für kleinere Gewerbetreibende, welche die Buchführungsgrenzen nicht überschreiten und weiters für Freiberuflerinnen/Freiberufler wie Ärztinnen/Ärzte und Rechtsanwältinnen/Rechtsanwälte, die ohnehin keine Bücher führen müssen. Wie der Name schon sagt: Die (Betriebs)Einnahmen und (Betriebs)Ausgaben sind aufzuzeichnen und man muss sich nach dem Zufluss- und Abflussprinzip orientieren.

Für die Veranlagung ist die Form der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung in der Beilage E 1a zwingend vorgegeben. Für Kleinunternehmer/innen liegt ab dem Jahr 2015 das vereinfachte Formular E 1a-K auf. Es sind daher die dort genannten Kennzahlen für Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben auszufüllen. Die jeweils zutreffende Beilage ist der Einkommensteuererklärung anzuschließen. Die Vorlage einer eigenen Einnahmen-Ausgaben-Rechnung ist nicht mehr erforderlich.

Eine Einnahme liegt erst dann vor, wenn man den Geldbetrag für eine Leistung erhalten hat, sei es in bar oder auf einem Konto gutgeschrieben. Die Verfügungsmacht reicht aus. Nähere Informationen finden sich im Kapitel "Betriebseinnahmen".

Eine Ausgabe hängt davon ab, ob bei der Unternehmerin/dem Unternehmer eine Verminderung ihrer/seiner Zahlungsmittel eingetreten ist. Nähere Informationen finden sich im Kapitel "Betriebsausgaben". Die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung erfasst also Einnahmen und Ausgaben grundsätzlich nach dem erfolgten Zahlungsfluss.

Eine Ausnahme von diesem Prinzip besteht bei der Geltendmachung der Abschreibung für Abnutzung. Hier kommt es nur auf die bereits erfolgte Anschaffung oder Herstellung und Inbetriebnahme des Wirtschaftsgutes an; dessen tatsächliche Bezahlung spielt keine Rolle. Bei einer Einnahmen-Ausgaben-Rechnung ist die Führung einer Anlagekartei notwendig (§ 7 Abs 3 Einkommensteuergesetz – EStG). Bedient sich eine Gewerbetreibende/ein Gewerbetreibender der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, muss sie/er auch ein Wareneingangsbuch führen (§ 127 Bundesabgabenordnung – BAO). Wer Arbeitnehmerinnen/Arbeitnehmer beschäftigt, benötigt zudem für jedes Mitglied seiner Belegschaft ein Lohnkonto (§ 76 EStG).

ACHTUNG Die Beträge der Betriebseinnahmen und -ausgaben können wahlweise einschließlich Umsatzsteuer (Bruttomethode) oder ohne Umsatzsteuer (Nettomethode) angesetzt werden (§ 4 Abs 3 dritter Satz EStG). Beim Nettosystem wird die Umsatzsteuer wie ein durchlaufender Posten behandelt. Näheres findet sich im Kapitel "Betriebsausgaben" und "Betriebseinnahmen". In der Beilage E 1a oder E 1a-K ist bei umsatzsteuerbefreiten Kleinunternehmerinnen/umsatzsteuerbefreiten Kleinunternehmern "Bruttosystem" anzukreuzen.

BEISPIEL Einnahmen-Ausgaben-Rechnung des Jahres 2015, alle Beträge in Euro:

Betriebseinnahmen (netto)NettobeträgeKennzahl E 1aBetriebsausgaben (netto)NettobeträgeKennzahl E 1a
Umsatzerlöse
Anlagenverkäufe

38.000
2.000

9040
9060
Handelswareneinkauf
Telefon und Porti
Büromiete
Fachliteratur
Fahrtkosten
Sozialversicherung
Fremdlöhne
Beratungskosten
Werbung
§ 13 EStG (GWG)
Abschreibung (AfA)

19.000
500
1.450
300
450
3.000
1.000
750
400
250
900

9100
9230
9180
9230
9160
9230
9110
9230
9200
9130
9130
Summe40.000Summe28.000
  Vorläufiger Gewinn 201512.000
- 13 Prozent Gewinnfreibetrag (Grundfreibetrag)-1.560 
Gewinn 201510.440

Pauschalierung

Wenn die entsprechenden Voraussetzungen vorliegen, können Unternehmerinnen/Unternehmer sich für eine Pauschalierung entscheiden. Man unterscheidet

  • einerseits zwischen der Gewinnpauschalierung (hier wird der Gewinn pauschaliert) und der Teilpauschalierung (hier werden nur die Betriebsausgaben ganz oder teilweise pauschaliert) und
  • andererseits zwischen der Branchenpauschalierung (z.B. für Gastgewerbetreibende, Lebensmittelhändlerinnen/Lebensmittelhändler, Schriftstellerinnen/Schriftsteller, Künstlerinnen/Künstler) und der allgemeinen – nicht berufsbezogenen – Basispauschalierung.

Pauschalierungen gibt es nicht nur bei der Einkommensteuer, sondern auch bei der Umsatzsteuer. Nähere Informationen finden sich im Kapitel "Pauschalierung".

Rechtsgrundlagen

Formulare

Stand: 01.01.2017

Abgenommen durch:
  • Bundesministerium für Finanzen

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