Pflichten österr. Unternehmer bei Inlandsaktivitäten ausl. Unternehmer

Im Allgemeinen ergeben sich für österreichische Unternehmerinnen/österreichische Unternehmer keine steuerlichen Verpflichtungen, wenn eine ausländische Unternehmerin/ein ausländischer Unternehmer für sie/ihn tätig wird.

ACHTUNG Diese Ausführungen betreffen nur die Einkommensteuer, nicht die Umsatzsteuer.

In bestimmten Fällen muss die österreichische Unternehmerin/der österreichische Unternehmer aber von den an die ausländische Unternehmerin/den ausländischen Unternehmer bezahlten Vergütungen eine besondere Abzugsteuer einbehalten und an das Finanzamt abführen:

Besondere Abzugsteuer nach § 99 Einkommensteuergesetz

Der Steuerabzug ist vorzunehmen, wenn die ausländische Unternehmerin/der ausländische Unternehmer in Österreich tätig wird als

  • Schriftstellerin/Schriftsteller
  • Vortragende/Vortragender
  • Künstlerin/Künstler
  • Architektin/Architekt
  • Sportlerin/Sportler
  • Artistin/Artist oder als
  • Mitwirkende/Mitwirkender an Unterhaltungsdarbietungen

sowie wenn sie/er in Österreich kaufmännische oder technische Beratung erbringt. Weitere Fälle sind von der österreichischen Unternehmerin/dem österreichischen Unternehmer ins Ausland zu zahlende Lizenzgebühren und Gebühren für die Gestellung von Arbeitskräften zur inländischen Arbeitsausübung. Bei dieser besonderen Abzugsteuer handelt es sich um eine Steuer mit einem fixen Steuersatz.

Die österreichische Unternehmerin/der österreichische Unternehmer muss die innerhalb eines Kalendermonats einbehaltenen Beträge des besonderen Steuerabzugs unter der Bezeichnung "Steuerabzug gemäß § 99 Einkommensteuergesetz" spätestens am 15. des Folgemonats in einer Gesamtsumme an das Finanzamt abführen. Außerdem muss sie/er die Höhe der dem Steuerabzug unterliegenden Beträge (Bemessungsgrundlage) ohne Aufgliederung nach den einzelnen ausländischen Unternehmerinnen/Unternehmern, aber aufgegliedert nach Steuersätzen dem Finanzamt mitteilen (Formular E 19).

Bruttobesteuerung

Der Steuersatz beträgt 20 Prozent, bei Einkünften gemäß § 99 Abs 1 Z 6 und 7 Einkommensteuergesetz 27,5 Prozent, wobei die Bemessungsgrundlage der volle Betrag der betreffenden Einnahmen der ausländischen Unternehmerin/des ausländischen Unternehmers ist ("Bruttoabzugsteuer"). Dazu zählen nicht nur das unmittelbare Entgelt, Honorar, Gebühr und dergleichen, sondern auch die von der österreichischen Unternehmerin/dem österreichischen Unternehmer direkt übernommenen oder der ausländischen Unternehmerin/dem ausländischen Unternehmer ersetzten Kosten (z.B. Flugticket, Hotelrechnung). Lediglich eine enthaltene Umsatzsteuer reduziert die Bemessungsgrundlage für die besondere Abzugsteuer.

Der ausländischen Unternehmerin/dem ausländischen Unternehmer steht die Möglichkeit offen, beim österreichischen Finanzamt als beschränkt Steuerpflichtige/beschränkt Steuerpflichtiger eine Veranlagung der Einkommensteuer zu beantragen und dabei seine Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben (z.B. Flugticket, Hotelrechnung) berücksichtigt zu erhalten.

Nettobesteuerung

Bei Zahlungen an Unternehmerinnen/Unternehmer aus einem Mitgliedstaat der EU oder des EWR (Liechtenstein, Norwegen, Island) kann bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen der Steuerabzug von dem um die unmittelbar zusammenhängenden Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben (z.B. Flugticket, Hotelrechnung) reduzierten Entgelt berechnet werden ("Nettoabzugsteuer").

Diese Kosten müssen der österreichischen Unternehmerin/dem österreichischen Unternehmer bereits vor dem Zufließen der Einkünfte schriftlich mitgeteilt worden sein. Dafür muss die ausländische Unternehmerin/der ausländische Unternehmer der österreichischen Unternehmerin/dem österreichischen Unternehmer geeignete Belege übergeben, die die österreichische Unternehmerin/der österreichische Unternehmer aufzubewahren hat.

Die österreichische Unternehmerin/der österreichische Unternehmer ist aber nicht zur Nettobesteuerung verpflichtet, sie/er kann – auch wenn ihr/ihm die ausländische Unternehmerin/der ausländische Unternehmer die Rechnungen vorlegt – die Bruttoabzugsteuer abführen, da sie/er für die Richtigkeit des Steuerabzuges haftet.

Der ausländischen Unternehmerin/dem ausländischen Unternehmer steht die Möglichkeit offen, beim österreichischen Finanzamt als beschränkt Steuerpflichtige/beschränkt Steuerpflichtiger eine Veranlagung der Einkommensteuer zu beantragen und dabei ihre/seine Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben (z.B. Flugticket, Hotelrechnung) berücksichtigt zu erhalten.

Macht die ausländische Unternehmerin/der ausländische Unternehmer als Betriebsausgaben bzw. Werbungskosten Zahlungen an andere ausländische Unternehmerinnen/Unternehmer (Subunternehmer) geltend, so ist die Nettobesteuerung an weitere Voraussetzungen geknüpft.

Bei der Nettobesteuerung beträgt der Steuersatz 25 Prozent.

Rechtsgrundlagen

Formulare

Absehen vom Steuerabzug auf Grund eines Doppelbesteuerungsabkommens

Die österreichische Unternehmerin/der österreichische Unternehmer hat die besondere Abzugsteuer jedenfalls dann einzubehalten und abzuführen, wenn die ausländische Unternehmerin/der ausländische Unternehmer aus einem Staat kommt, mit dem Österreich entweder kein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) abgeschlossen hat, oder wenn nach dem mit dem Ansässigkeitsstaat bestehenden DBA Österreich das Besteuerungsrecht hat. Von den zum besonderen Steuerabzug verpflichtenden Tätigkeiten (siehe oben) verliert Österreich nach den DBA im Allgemeinen sein Besteuerungsrecht bei Schriftstellerinnen/Schriftstellern, Vortragenden und bei der kaufmännischen oder technischen Beratung. Will die österreichische Unternehmerin/der österreichische Unternehmer in diesen Fällen den Steuerabzug unter Berufung auf ein DBA unterlassen, so muss ihr/ihm die ausländische Unternehmerin/der ausländische Unternehmer eine vom ausländischen Finanzamt ausgestellte Ansässigkeitsbestätigung übergeben (Formular ZS-QU 1 für natürliche Personen bzw. Formular ZS-QU 2 für juristische Personen).

Bei Zahlungen von nicht mehr als 10.000 Euro pro Jahr kann die Vorlage des durch das ausländische Finanzamt bestätigten Formulars ZS-QU 1 bzw. ZS-QU 2 unterbleiben, die österreichische Unternehmerin/der österreichische Unternehmer hat aber bestimmte Sorgfalts- und Dokumentationspflichten einzuhalten.

Rechtsgrundlagen

Formulare

Arbeitskräftegestellung (ausländischer Arbeitskräfteüberlasser, österreichischer Beschäftiger, Tätigkeit in Österreich)

Im Falle einer Arbeitskräftegestellung (im Sinne einer Passivleistung) ist aufgrund der jüngeren Rechtsprechung des VwGH (Erkenntnis vom 22. Mai 2013, 2009/13/0031; vgl. dazu BMF-010221/0362-VI/8/2014 sowie BMF-010221/0609-VI/8/2015) grundsätzlich davon auszugehen, dass die Beschäftigerin/der Beschäftiger als Arbeitgeberin/Arbeitgeber anzusehen ist. Somit sind die Vergütungen aus Arbeitskräftegestellungen (Löhne, Gehälter) im Tätigkeitsstaat zu besteuern. Die Dauer des Aufenthalts im Tätigkeitsstaat ist hierbei irrelevant. Wenn das DBA die Befreiungsmethode zur Vermeidung der Doppelbesteuerung vorsieht, sind die Vergütungen im Ansässigkeitsstaat von der Steuer (unter Progressionsvorbehalt) unter bestimmten Bedingungen zu befreien. Es empfiehlt sich jedenfalls eine vorherige kompetente Abklärung mit dem zuständigen Finanzamt.

Künstler und Sportler

Bei in Österreich auftretenden Künstlerinnen/Künstlern und Sportlerinnen/Sportlern gestatten die meisten Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) die Besteuerung in Österreich ("Künstlerklausel"), sodass der besondere Steuerabzug auch bei Vorliegen eines DBA durchzuführen ist. Als "Künstlerinnen/Künstler" gelten dabei nicht nur klassische Künstlerinnen/Künstler, sondern dieser Begriff ist sehr weit zu verstehen, sodass auch reine Unterhaltungsdarbieterinnen/Unterhaltungsdarbieter darunter fallen. Dies gilt unabhängig davon, ob die ausländische Künstlerin/der ausländische Künstler oder Sportlerin/Sportler selbstständig oder nicht selbstständig tätig ist.

Ist mit der Künstlerin/dem Künstler oder der Sportlerin/dem Sportler ein Nettobetrag vereinbart, so muss die österreichische Unternehmerin/der österreichische Unternehmer (in der Regel die Veranstalterin/der Veranstalter) damit rechnen, die Abzugsteuer selbst tragen zu müssen.

Absehen vom Steuerabzug aufgrund von Geringfügigkeit

Bei ausländischen Künstlerinnen/ausländischen Künstlern oder ausländischen Sportlerinnen/ausländischen Sportlern, deren "Österreich-Einkünfte" im Jahr insgesamt nicht mehr als 2.000 Euro betragen, kann die österreichische Veranstalterin/der österreichische Veranstalter unter bestimmten Voraussetzungen den besonderen Steuerabzug unterlassen, hat aber bestimmte Sorgfalts- und Dokumentationspflichten einzuhalten.

Die Beträge gelten nach Abzug von nachgewiesenen Kostenersätzen (z.B. Flugticket, Hotelrechnung).

Vortragende

Im Unterschied zu Künstlerinnen/Künstlern und Sportlerinnen/Sportlern hat nach den meisten Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) der Staat des Auftrittes bei Vortragenden kein Besteuerungsrecht, sodass vom Steuerabzug für Vergütungen an ausländische Vortragende aufgrund eines DBA abgesehen werden kann (siehe oben). Andererseits kann bei ihnen ebenso wie bei den Künstlerinnen/Künstlern und Sportlerinnen/Sportlern der Steuerabzug auf Grund von Geringfügigkeit unterbleiben (siehe oben), z.B. wenn die Vortragende/der Vortragende aus einem Nicht-DBA-Staat kommt.

Lizenzgebühren

Nach den meisten Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) dürfen Lizenzgebühren, die eine österreichische Unternehmerin/ein österreichischer Unternehmer an eine ausländische Unternehmerin/einen ausländischen Unternehmer bezahlt, in Österreich nicht besteuert werden. Nach manchen DBA (insbesondere mit Entwicklungsländern) hat Österreich ein begrenztes Quellenbesteuerungsrecht. Wie im Kapitel "Absehen vom Steuerabzug auf Grund eines DBA" dargestellt, kann eine österreichische Unternehmerin/ein österreichischer Unternehmer in diesen Fällen vom besonderen Steuerabzug absehen oder ihn auf das im DBA vorgesehene Ausmaß reduzieren (im Allgemeinen durch Vorlage des Formulars ZS-QU1 bzw. ZS-QU2).

Bei Zahlungen an ausländische Künstlerinnen/Künstler und Sportlerinnen/Sportler kann es schwierig sein, sie richtig der Aktivtätigkeit (Entgelt für den Auftritt) und einer Abgeltung der Rechte (Passivleistung) zuzuordnen bzw. zwischen diesen beiden Bereichen sachgerecht abzugrenzen. Zumeist kann man davon ausgehen, dass neben einem Auftrittshonorar die Rechte nicht gesondert abgegolten werden.

Stand: 01.01.2018

Abgenommen durch:
  • Bundesministerium für Finanzen

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