Insolvenz

Zahlungsunfähigkeit muss nicht das Ende sein. Viele Unternehmerinnen/Unternehmer scheuen sich zu Unrecht davor, den Gang zum Konkursgericht anzutreten.

Information für Einsteiger

Insolvenz bezeichnet die Situation der Zahlungsunfähigkeit (Illiquidität) oder Überschuldung eines Unternehmens, bei deren Vorliegen die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens notwendig wird.

Zahlungsunfähigkeit liegt vor, wenn die fälligen Zahlungen nicht mehr geleistet werden können.

Von Überschuldung spricht man, wenn die Verbindlichkeiten höher sind als das Vermögen und es keine positive Fortbestandsprognose gibt.

Die Schuldnerin/der Schuldner ist verpflichtet, binnen 60 Tagen ab Eintritt der Insolvenz ein Insolvenzverfahren bei Gericht zu beantragen.

Die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens wird durch Edikt öffentlich bekannt gemacht, wobei das Verfahren ausdrücklich entweder als Konkursverfahren oder als Sanierungsverfahren bezeichnet wird (außerdem erfolgt gegebenenfalls eine Eintragung ins Firmenbuch).

Durch die Reform des Insolvenzrechts (Insolvenzrechtsänderungsgesetz 2010) wurden Konkurs- und Ausgleichsverfahren zu einem einheitlichen Insolvenzverfahren in der Insolvenzordnung zusammengefasst. In diesem Verfahren gibt es neben dem Konkursverfahren ein gegenüber dem früheren Ausgleichsverfahren wesentlich attraktiveres Sanierungsverfahren, das mit oder ohne Eigenverwaltung ausgestaltet sein kann.

Für ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung muss die Unternehmerin/der Unternehmer dem Gericht rechtzeitig einen Sanierungsplan, einen Finanzplan und weitere Unterlagen vorlegen. Bei einem Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung kann das Unternehmen ebenfalls erhalten bleiben, allerdings ohne Eigenverwaltung durch die Unternehmerin/den Unternehmer.

Weiterhin besteht aber auch in einem Konkursverfahren die Möglichkeit, einen Sanierungsplan (früher: Zwangsausgleich) vorzulegen.

Jede einzelne Mitarbeiterin/jeder einzelne Mitarbeiter hat ab der Eröffnung des Insolvenzverfahrens sechs Monate Zeit, für ihre/seine offenen Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis das sogenannte Insolvenz-Entgelt bei der IEF-Service GmbH zu beantragen. Außerdem hat sie/er die entsprechende gerichtliche Forderungsanmeldung beim Landesgericht (in Wien beim Handelsgericht) vorzunehmen. Diese Forderungsanmeldung muss dem Antrag auf Insolvenz-Entgelt beigelegt werden.

Die Sechsmonatsfrist ist auch dann gewahrt, wenn der Antrag auf Insolvenz-Entgelt bei Gericht gestellt wird. In einem solchen Fall wird dieser Antrag vom Gericht ohne weitere Prüfung an die IEF-Service GmbH weitergeleitet. Bitte wenden Sie sich in einem solchen Fall an die für Sie zuständige Arbeiterkammer.

Zuständige Stelle

das Landesgericht (in Wien: das Handelsgericht)

TIPP Das Wirtschaftsförderungsinstitut (WIFI) der Wirtschaftskammer Wien bietet kostenlose Erst- und geförderte Folgeberatungen für Wiener Unternehmen in betriebswirtschaftlicher Hinsicht an. Hier finden Sie auch Informationen zur Kurzberatung Unternehmenssicherung und Sanierung samt Anmeldeformular.

Um einen Betrieb insolvent zu melden, bestehen verschiedene Insolvenz-Verfahrensmöglichkeiten, die von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit abhängig sind.

Kosten

Die Kosten variieren abhängig vom bei der Verwertung erzielten Erlös beziehungsweise je nach der Höhe der Schulden. Bezahlt werden müssen die Gerichtskosten, die Verwalterin/der Verwalter und die Gläubigerinnen/Gläubiger.

TIPP Es ist wichtig, sich einer Krise möglichst frühzeitig zu stellen und ein entsprechendes Verfahren einzuleiten. Das Insolvenzverfahren bietet Lösungen, die es erlauben, das Unternehmen zu erhalten oder zumindest eine Schuldenbefreiung zu erwirken.

Besteht noch keine tatsächlich insolvente Situation, gibt es die Möglichkeit, ein Reorganisationsverfahren nach dem Unternehmensreorganisationsgesetz (URG) einzuleiten. Informationen bieten die Wirtschaftskammern der Bundesländer.

Auf den Seiten der Schuldnerberatung Wien haben Sie die Möglichkeit, das Existenzminimum zu berechnen, indem Sie Ihr monatliches Nettoeinkommen und sonstige Verpflichtungen eintragen.

TIPP Nähere Informationen zu den entsprechenden Regelungen in anderen EU-Mitgliedstaaten finden sich auf Your Europe Business.

Rechtsgrundlagen

Insolvenzordnung (IO)

Stand: 01.01.2014

Abgenommen durch:
  • Bundesministerium für Justiz
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