Branchenpauschalierung Umsatzsteuer

Allgemeines

Sie können an Stelle der Basispauschalierung auch die Branchenpauschalierung anwenden. In der betreffenden Verordnung (BGBl. Nr. 627/1983 in der Fassung BGBl. II Nr. 416/2001) finden Sie jenen Prozentsatz, der nach Anwendung auf den getätigten Umsatz die abziehbare Vorsteuer ergibt. Diese gesetzlichen Bestimmungen sind sehr komplex und können daher in diesem Leitfaden nur in ihren Grundzügen wiedergegeben werden. Die Verordnung unterscheidet zwischen:

  • Freiberuflich tätigen Unternehmen (vier Gruppen, bestehend aus Tierärztinnen/Tierärzten, Rechtsanwältinnen/Rechtsanwälten, Patentanwältinnen/Patentanwälten und Notarinnen/Notaren, Wirtschaftstreuhänderinnen/Wirtschaftstreuhändern sowie Ziviltechnikerinnen/Ziviltechnikern) und
  • Nichtbuchführungspflichtigen Handels- und Gewerbetreibenden (67 Gruppen).

Regelung für freiberuflich tätige Unternehmer

Überschaubar ist die Liste der freiberuflich tätigen Unternehmen: Tierärztinnen/Tierärzte dürfen 4,9 Prozent, Rechtsanwältinnen/Rechtsanwälte, Patentanwältinnen/Patentanwälte, Notarinnen/Notare und Wirtschaftstreuhänderinnen/Wirtschaftstreuhänder 1,7 Prozent, Ziviltechnikerinnen/Ziviltechniker 2,8 Prozent vom Umsatz als Vorsteuer geltend machen.

Achtung

Voraussetzung ist, dass der Umsatz des freiberuflichen Unternehmens im vorangegangenen Kalenderjahr nicht mehr als 255.000 Euro betragen hat. Bei der umsatzsteuerlichen Basispauschalierung gilt hingegen die Umsatzgrenze von 220.000 Euro.

Separat sind die Vorsteuern bzw. Einfuhrumsatzsteuern für Lieferungen von abnutzbaren Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens zu beanspruchen, sofern die Anschaffungskosten nicht sofort als Betriebsausgaben abgezogen werden können. Das bedeutet, dass für geringwertige Wirtschaftsgüter (Kosten bis zu 400 Euro netto) kein Vorsteuerabzug möglich ist. Vorsteuern, die bei sonstigen Leistungen (Herstellungen) im Zusammenhang mit abnutzbaren Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens anfallen, stehen nicht gesondert zu! Zusätzlich abziehbar ist hingegen bei Wirtschaftstreuhänderinnen/Wirtschaftstreuhändern die von Rechenzentren für Datenverarbeitungsleistungen in Rechnung gestellte Umsatzsteuer.

Regelung für Handels- und Gewerbetreibende

Den Handels- und Gewerbetreibenden bleibt der Blick in die entsprechende Verordnung (BGBl. Nr. 627/1983 in der Fassung BGBl. II Nr. 416/2001) nicht erspart. Das Spektrum der Durchschnittssätze reicht von 0,3 Prozent (Tabaktrafikantinnen/Tabaktrafikanten) bis zu 7 Prozent (Münzreinigerinnen/Münzreiniger). Für Handels- und Gewerbetreibende existiert zwar keine Umsatzgrenze, dafür ist die Pauschalierung nur jenen Betrieben gestattet, für die keine gesetzliche Buchführungspflicht besteht. Auch wenn ein Unternehmen freiwillig Bücher führt, bleibt die Berechtigung zur pauschalen Vorsteuerermittlung bestehen. Auch hier gibt es zusätzliche Vorsteuerabzugsmöglichkeiten:

  • Vorsteuern bzw. EUSt für Lieferungen und sonstige Leistungen (Anschaffungen und Herstellungen) betreffend abnutzbare Anlagegüter, für die einkommensteuerlich keine sofortige volle Abschreibung zulässig ist
  • Vorsteuern für Fremd- und Lohnarbeiten, soweit diese unmittelbar in die gewerbliche Leistung eingehen
  • Vorsteuern bzw. EUSt für Lieferungen von Waren, inkl. Roh-, Hilfsstoffe, Halberzeugnisse und Zutaten, die das Unternehmen zur gewerblichen Weiterveräußerung erwirbt

Hinweis

Die beiden letztgenannten Punkte gelten laut Verordnung nicht für Friseurinnen/Friseure, Chemischreinigerinnen/Chemischreiniger, Wäschereien und Handelsvertreterinnen/Handelsvertreter.

Rechtsgrundlagen

Letzte Aktualisierung: 1. Januar 2021

Für den Inhalt verantwortlich: Bundesministerium für Finanzen